100
Jahre Bürgerkapelle Wolkenstein
Meilensteine der Bürgerkapelle Wolkenstein
Gründung
Gründung der Musikkapelle Wolkenstein.
Im Herbst erstes Konzert.
Erster Auftritt in Tracht
Erster Auftritt mit der Tracht der Schützenkompanie Wolkenstein.
Konzertpodium
Erstes Konzertpodium zum Abhalten der Sommerkonzerte auf dem Gemeindeplatz.
Aufnahme von Mädchen
Erstmalig werden auch Mädchen in die Kapelle aufgenommen. Ein Novum für Südtirol.
Neues Probelokal
Bau des jetzigen Proberaumes im Gebäude des Kindergartens.
Neuer Musikpavillon
Fertigstellung des neuen, aktuellen Musikpavillons auf dem Gemeindeplatz.
100-jähriges Jubiläum
Die Bürgerkapelle Wolkenstein feiert ihr 100-jähriges Jubiläum.
Unsere Chronik
Die Bürgerkapelle Wolkenstein wurde im Jahr 1925 auf Initiative der örtlichen Feuerwehr gegründet. Hauptmann Anton Demetz de Plan und der Zeugwart Bernhard Perathoner da Lech waren die treibenden Kräfte hinter diesem Vorhaben. Ihr Hauptanliegen war es, eine Musikkapelle für die feierliche Gestaltung religiöser Anlässe im Dorf zu schaffen, insbesondere für Prozessionen. Die Idee, eine eigene Bläsergruppe ins Leben zu rufen, stieß im Dorf auf große Begeisterung – doch es fehlte an allem: Instrumente waren kaum vorhanden, und von einem geeigneten Proberaum ganz zu schweigen. In dieser Not wandte sich der Lehrer Vinzenz Delago d'Amadio schriftlich an seine Verwandten und Bekannten in Österreich und Deutschland. Er bat dabei vor allem um finanzielle Unterstützung für den Ankauf von Instrumenten. Seine Bitte blieb nicht ungehört: Schon nach kurzer Zeit konnte die nötige Summe aufgebracht werden. Gleichzeitig fand sich eine erfreulich große Zahl musikbegeisterter Jugendlicher, die das nötige Talent mitbrachten, ein Instrument zu erlernen. Josef Perathoner de Rustlea war der erste Kapellmeister der Bürgerkapelle Wolkenstein. Die Proben fanden damals teils in Gasthäusern, teils im Haus des Kapellmeisters statt.
Dank eines intensiven Probenplans konnte bereits im Herbst des Gründungsjahres 1925 das erste Konzert gegeben werden. Im Frühjahr des folgenden Jahres verlieh die 31 Mann starke Kapelle der Fronleichnamsprozession einen feierlichen Rahmen. Die Musikanten trugen dabei die Tracht der Schützenkompanie Wolkenstein, die kurz zuvor aufgelöst worden war. Im Laufe der Jahre wuchs die Zahl der Musikanten stetig an, und das gemeinsame Musizieren bereitete vielen Jugendlichen große Freude. Doch der Anfang war alles andere als leicht. Zunächst mussten die musikinteressierten Jugendlichen das Notenlesen erlernen – und erst danach erhielten sie ein Instrument, das oft nicht ihrer Wunschwahl entsprach, sondern schlichtweg das war, was gerade verfügbar war. An dieser Stelle gebührt dem damaligen Lehrer Vinzenz Delago d'Amadio besondere Anerkennung: Er brachte zahlreichen Jugendlichen seiner Generation die Grundlagen der Musik bei. Für seine Verdienste um die Musikkapelle Wolkenstein wurde Vinzenz Delago d'Amadio mehrmals ausgezeichnet.
Im Jahre 1965, anlässlich des 40-jährigen Jubiläums der Musikkapelle, überreichte ihm der VSM
(Verband Südtiroler Musikkapellen) die Ehrennadel in Silber. Im Jahre 1975, bei der 50-jährigen
Jubiläumsfeier der Musikkapelle wurde er von unserer Kapelle mit der silbernen Verdienstmedaille
geehrt. Sein Engagement und seine Verdienste rund um die Blasmusik in unserem Ort soll an dieser
Stelle noch einmal hervorgehoben werden.
Wie bereits erwähnt, war Josef Perathoner der erste Kapellmeister unserer Musikkapelle.
Drei Jahre lang leitete er die Kapelle, ehe er im Jahr 1929 den Dirigentenstab an Vijo (Luis)
Rudiferia übergab. In den darauffolgenden Jahren – von 1930 bis 1949 – wechselten sich mehrere
Mitglieder der Kapelle in der musikalischen Leitung ab: Alois Tomasini dl Net, Vinzenz
Delago d’Amadio, Jakob Perathoner da Guton und Otto Rudiferia de Vijo führten die Kapelle
durch diese bewegte Zeit.
Die zentrale Aufgabe der Bürgerkapelle war es in dieser Phase, religiöse Feste und kirchliche Anlässe
musikalisch zu gestalten. Während des Zweiten Weltkriegs schrumpfte die Zahl der Mitglieder
erheblich, was eine Einschränkung der Aktivitäten notwendig machte. Dennoch bemühte sich die
Kapelle, dem Dorfleben weiterhin – wenn auch seltener – eine feierliche musikalische Note zu verleihen.
Nach dem Ende des Krieges erlebte die Bürgerkapelle einen deutlichen Aufschwung. Die Zahl der
Musikanten wuchs weiter an, was die Anschaffung neuer Instrumente und Trachten erforderlich
machte. Die Bevölkerung von Wolkenstein zeigte sich stets großzügig und unterstützte die Kapelle
bei ihren Anliegen. Um die traditionellen, wertvollen Trachten zu schonen, wurde im Jahre 1953 –
ebenfalls mit Hilfe der Dorfgemeinschaft – eine Uniform (sogenannte „Mondur“) angeschafft.
Von 1949 bis 1959 leitete Oswald Delago, Sohn des Lehrers Vinzenz Delago d’Amadio, die Musikkapelle
als Kapellmeister. Oswald war ein leidenschaftlicher Musiker, der sogar eigene Märsche für
die Kapelle komponierte – und das, obwohl er nie eine formale musikalische Ausbildung genossen
hatte. Er war ein Autodidakt, und das mit großem Engagement und Können.
In den Jahren 1960, von 1962 bis 1966 sowie erneut 1968 und 1969 übernahm Franzl
Runggaldier dal Ampezan die musikalische Leitung. Auch er war ein passionierter Musiker und
ebenfalls Autodidakt. Die Liebe zur Musik wurde ihm von seinem Vater Anton vorgelebt, der im Kirchenchor
sang und bei der Musikkapelle Tuba spielte.
Im Jahr 1970 übernahm Andrea Mussner da Costa den Posten des Kapellmeisters. Er leitete die Kapelle auch im darauffolgenden Jahr 1971 sowie von 1974 bis 1985 und erneut von 1996 bis 2012. Nach dem Besuch eines Kapellmeisterkurses nahm Andrea an mehreren Fortbildungsveranstaltungen im In- und Ausland teil. Die nötigen musikalischen Kenntnisse eignete er sich nach und nach auch autodidaktisch an – mit Erfolg: Zu seinen gelungensten Kompositionen zählen der Wolkensteiner Parademarsch sowie der Trauermarsch N pensier per Unissant. Unter seiner Leitung nahm die Kapelle im Jahr 1979 eine Auswahl bekannter und weniger bekannter Musikstücke auf. Es entstand eine Schallplatte sowie eine Musikkassette – ein Novum für eine Musikkapelle jener Zeit. Nach Andrea Mussner da Costa übernahm Leonhard Runggaldier dal Ampezan, Sohn des früheren Kapellmeisters Franz Runggaldier, die musikalische Leitung der Kapelle. Wie sein Vater und sein Großvater spielt auch er die Tuba. Leonhard führte die Bürgerkapelle von 1985 bis 1996 mit viel Engagement, Können und Ausdauer. Im Jahr 1996 kehrte Andrea Mussner erneut an die Spitze der Kapelle zurück und leitete sie bis 2012. In diesem Jahr entschied sich der damalige Ausschuss, die musikalische Leitung in die Hände eines in Südtirol bekannten Musikers zu legen: Kapellmeister Christian Unterhofer aus dem Ahrntal, genauer gesagt aus Lappach; er dirigierte die Kapelle drei Jahre lang. Ihm folgte im Jahr 2015 Eduard Gamper, ein erfahrener Musiklehrer und Kapellmeister aus Schrambach bei Klausen. Neun Jahre lang stand er am Dirigentenpult und legte dabei besonderen Wert auf eine saubere Intonation und eine ausgewogene, zurückhaltende Spielweise.
Derzeit wird unsere Bürgerkapelle von Alexander Perathoner dl Orb geleitet. Prof. Alexander
lebt mit seiner Familie in Wolkenstein und ist als Hornist Mitglied des Haydn Orchesters von Bozen
und Trient. Bereits in den ersten Proben zeigte er große Begeisterung und kündigte an, das 100-jährige
Jubiläum der Musikkapelle mit einem feierlichen Kirchenkonzert eröffnen zu wollen.
Nach intensiver Vorbereitung wurde das Konzert mit dem Titel Lumen am 6. April 2025 in der Pfarrkirche
von Wolkenstein aufgeführt. Die Darbietung war ein voller Erfolg und wurde vom Publikum
mit großer Wertschätzung aufgenommen.
Den Dirigentenstab zu übernehmen und das Amt des Kapellmeisters auszuüben, ist eine verantwortungsvolle
Aufgabe – und keineswegs für jedermann geeignet. Es reicht nicht, ein leidenschaftlicher
Musiker zu sein; man benötigt auch fundiertes musikalisches Wissen und die Fähigkeit, die Musikanten
zu motivieren und anzuleiten.
Besonders die Kapellmeister früherer Generationen
standen vor großen Herausforderungen. Sie konnten
noch nicht auf ausgebildete Musikschulabsolventen
zurückgreifen. Vielmehr mussten sie den Jugendlichen
zunächst das Notenlesen beibringen, sodass oft einige
Zeit verging, bis diese schließlich aktiv in die Kapelle
integriert werden konnten.
Die Obmänner der Bürgerkapelle Wolkenstein
Einen Verein als Obmann zu führen ist zweifellos keine
leichte Aufgabe. Es erfordert Führungsstärke und
viel Fingerspitzengefühl – besonders, wenn es sich um
eine Organisation wie die örtliche Feuerwehr oder die
Musikkapelle handelt. Wer sich für diese Position zur
Verfügung stellt, steht sowohl unter der Beobachtung
der eigenen Musikkameraden als auch der gesamten
Dorfbevölkerung. Ein respektvoller Umgang mit den
Ausschussmitgliedern und dem Kapellmeister ist für
einen Obmann besonders wichtig. Denn dort, wo Entscheidungen
gemeinsam getroffen werden, entsteht ein
gutes Arbeitsklima – und das basiert auf gegenseitiger
Wertschätzung.
Auch außerhalb des Vereins sollte der Obmann den
Menschen mit Respekt begegnen und gute Beziehungen
zur Gemeinde sowie zu anderen wichtigen Institutionen pflegen. Kontakte zu knüpfen und zu erhalten
trägt bekanntlich zum Wohlbefinden bei.
Allen Musikkameraden, die sich im Laufe der Vereinsgeschichte für diese verantwortungsvolle Aufgabe
eingesetzt haben, sei an dieser Stelle herzlich gedankt – unabhängig davon, wie lange sie dieses
Amt ausgeübt haben. Giorgio Callegari führte die Geschicke unserer Kapelle über den längsten Zeitraum
- ganze 14 Jahre lang.
